Missbrauch

Dies ist ein Befreiungsschlag für mich. Ich will es loswerden, damit es meinen Kopf verlässt. Ich will es rauslassen.

Ich habe diverse körperliche Missbräuche hinter mir. Ich spreche nicht nur von sexuellem Missbrauch. Ich rede von jeglichem Missbrauch. Ich scheine dafür ein leichtes Opfer zu sein, denn die Welt ist schlecht und ich zu gutmütig. Ich bin zu lieb und zu freundlich für diesen Planeten. Ich glaube an das Gute. Und jeden Tag kämpfe ich dagegen an, damit ich nicht auch schlecht werde. Damit ich nicht jedem misstraue. Ich möchte nicht schlecht sein. Unser Planet besitzt schon so viel Hass, da braucht er Menschen, die lieben. Ich will so jemand sein. Aber meine Erfahrungen, die ich sammeln musste, machen es mir schwer, das zu sein, was ich sein will. Es ist ein innerer Kampf und manchmal drohe ich ihn zu verlieren. Aber im großen und ganzen gewinne ich diesen Kampf jedes Mal.

Es gibt Flashbacks, in Situationen, die ähnlich sind. Die Panikattacken auslösen. Es sind furchtbare Empfindungen. Herzrasen, so schnell und so laut, das ich kaum noch meine eigenen Gedanken verstehe. Aber es sind nur Momente. Vergeben habe ich. Ich kann vergeben. Vergeben tue ich vor allen Dingen aus egoistischen Gründen. Ich möchte meine Ruhe haben. Ich möchte so wenig wie möglich damit zu tun haben. Und wenn ich vergebe, dann empfinde ich keine Wut. Ich empfinde viel mehr Mitleid. Ich muss lange darum kämpfen, um mir diese Stellung zu erarbeiten. Aber gerade beim körperlichen Missbrauch schaffe ich das recht gut.

Wo mir das hingegen nicht gelingt, das ist beim emotionalen Missbrauch. Ich wurde zuvor nur körperlich missbraucht, niemals emotional. Mein Geist blieb immer frei. Ich hielt es aus, verarbeitete es und kam damit zurecht. Schlußendlich vergab ich. Das ging sogar alles relativ schnell, ich bin eben hart im nehmen. Dazu habe ich einfach viel zu viel Mist erlebt in meinem Leben.

Aber dieser eine emotionale Missbrauch, den ich 2013 erfahren musste, der ist einfach nicht aufzuarbeiten für mich. Es keimt immer wieder neu. Nicht weil ich damit nicht zurecht komme, das ich nicht viel mehr war als ein Experiment, ein Studienobjekt eines sehr fiesen Menschen, der glaubte, er könne meinen Autismus heilen und somit der Welt eine neue Errungenschaft präsentieren. Im Grunde war es nicht viel mehr als ABA, was er dort mit mir machte. Es war nur nicht zu erkennen für mich. Nicht offensichtlich. Zu subtil. Ich erkenne subtiles ja nicht. Ich hatte einfach keine Chance. Das schlimme dabei, das, was den emotionalen Missbrauch darstellt, das ist, dass ich ihn wirklich liebte. Und zwar auf eine Weise, wie ich nie zuvor einen Menschen liebte. Es war mir eine absolut neue Erfahrung. Es war das erste Mal, dass ich bedingungslos vertraute und meine Leben in die Hände eines anderen Menschen gab. Und er machte so etwas mit mir.

Aber wie gesagt, das schlimme ist nicht der körperliche Missbrauch hierbei. Das ich als Versuchsobjekt missbraucht wurde. Es ist der Umstand, dass dies über die Liebe geschah, über bedingungsloses Vertrauen. Es ist die Unsicherheit, weil er zu feige ist, mir die Wahrheit zu sagen. Das ist es, was mich nicht schlafen lässt. Was mich immer und immer wieder rotieren lässt!

Was ist denn nun wirklich passiert? War ich wirklich nicht mehr, als ein Versuchsobjekt? War da vielleicht doch mehr? Ist er einfach ein Psychopath? Oder doch nicht? Ich kann diesen Fall nicht abschließen, auch wenn ich spüre, das ich schleppend weiter komme. Aber ich versuche nun seit 6 Monaten etwas zu verarbeiten, was ich nicht verarbeiten kann, weil mir zu viele Puzzle-Teile fehlen. Ein Bild, das nur 5 zarte Monate meines Lebens umspannt. Ein Erlebnis, dass mich teilweise bis zum Suizidgedanken treibt, weil ich damit einfach nicht leben kann.

Ich fühle mich missbraucht. Benutzt. Für niedere Zwecke. Und der Umstand, das ich tatsächlich etwas dabei gelernt habe, tröstet mich nicht darüber hinweg. Im Gegenteil, es begünstigt die Rotation.

Was dabei aber das allerschlimmste ist: Ich fühle mich hilflos. Ich weiß nicht wie ich mich wehren soll. Ich weiß nicht an wen ich mich wenden soll. Ich weiß nicht was ich dagegen tun kann. Alles was ich will, ist, dass er mir die Wahrheit ins Gesicht sagt. So bleibe ich in völliger Einsamkeit zurück. Ahnungslos. Hilflos. Missbraucht. Benutzt. Vollständig im Chaos versunken. Voller Zweifel über mich selbst und der Welt. Und ich weiß einfach nicht, wie ich aus dieser Scheiße wieder rauskommen soll. Es macht mich einfach nur fertig. Richtig fertig! Und traurig.

Das so etwas überhaupt möglich ist! Es macht mich wütend und ich will um mich schlagen. Ich weiß aber, dass es nichts bringt. Also lasse ich es. Ich möchte diesem Menschen weh tun. Aber ich könnte es niemals. Ich kann doch nicht mal einer Fliege weh tun. Denn in meiner Wut, meiner Trauer, meiner Hilflosigkeit und meiner Ahnungslosigkeit, weil ich mich nicht befreien kann, finde ich immer wieder Worte der Verteidigung. Denn so bin ich nun mal. Ich will Verständnis haben. Aber ich kann einfach kein Verständnis erreichen, weil diese Person mir nicht sagt, was denn nun eigentlich geschehen ist. Schlußendlich bin ich gelähmt. Mundtot gemacht. Ohne eine Chance, es irgendwie rauslassen zu dürfen.

Dabei will ich einfach nur, dass es endlich aufhört. Es soll endlich zu Ende sein. Ich will mein Leben zurück haben!

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6 responses to “Missbrauch

  • tatublog2014

    Vielen Dank für diesen Beitrag von Dir.
    Ich finde Du hast dies sehr treffend beschrieben. Ich nenne dies emotionale Vergewaltigung und bin dieser auch schon mehr als 1x ausgesetzt worden.
    Keine Antworten zu erhalten empfinde ich auch als das aller schlimmste daran, weil es dadurch nicht fertig verarbeitet werden kann.
    Ich hoffe das Du trotzdem einen Weg für Dich findest um damit irgend wie leben zu können.
    Ich habe bis heute keinen gefunden, der Schmerz darüber hat sich bei mir tief eingebrannt und hindert mich daran anderen Menschen wieder voll Vertrauen zu können.

  • Herr Jonas IV.

    Das erinnert mich unter anderem an ein Zitat von H. D. Thoreau: „Rather than love, than money, than fame, give me truth.“ — „Eher als Liebe, als Geld, als Berühmtheit, gebt mir Wahrheit.“

    Denn ohne „Wahrheit“ sind diese anderen Dinge wertlos, denke ich! Denn „Wahrheit“ beinhaltet auch Ehrlichkeit und Offenheit, ohne die eine enge emotionale Bindung auf Dauer nicht funktionieren kann.

  • kiwigirl

    liebe BloO mir tut es weh zu hören, wie es dir emotional ergangen ist und wohl immer noch ergeht. ich kann jegliche angesprochenen dinge exakt nachvollziehen, weil auch mir diese dinge passiert sind, aber ich hatte einfach noch nie den mut, darüber zu reden, ich dachte lange zeit, wenn ich einfach nicht darüber rede, dann geht es irgendwann weg, aber das ist ein großer trugschluss.
    ich glaube was längerfristig hilft, ist sich gedanken darüber zu machen, wieso jemand anderes die eigenen grenzen derartig überschreiten konnte und durfte und was man in zukunft ändern muss, damit es soweit nicht mehr kommt. und auch die zeit heilt mit. was aber immer bleibt ist denke ich dieses negative gefühl in verbundenheit mit menschen und sicherlich auch unsicherheit und nicht fallen lassen können in neuen zwischenmenschlichen situationen zu viel zu kontrollieren.. danke, für deinen mut!

  • Sabrina Stolzenberg

    Das Du in der Lage bist über Deinen Missbrauch zu schreiebn ist schon mal ein gutes Zeichen – es ist Teil des Verarbeitungsprozesses, aber Du solltest immer wieder darüber reden, schreiben, Dich austauschen – vielelicht auch in Foren oder auf Facebook, den reden hilft sehr viel 😉 Leider wird es immer wieder Situationen geben, in denen Du Dich an den Missbrauch erinnern wirst und es wird immer wieder weh tun, aber mit den Jahren wird es etwas einfacher. Hast Du vielleicht auch mal darüber überlegt eine Therapie zu machen?

  • tutu

    Missbrauch hat viele Gesichter – Ich wurde von einem geldgeilen Vermieter finanz, seelisch und moralisch missbraucht …irgendwann kam er abends unter einem Vorwand in meine Wohnung und wollte mich als Lustobjekt benutzen…Ich stand unter Schock, verdrängte das Ganze monatelang bis ich explodierte, als er mich dann wieder finanz. ausbeuten wollte. Dann bin ich zur Polizei und erstattete Anzeige…Der erste Schritt war getan, berührt hat mich der Satz „ICH WILL MEIN LEBEN WIEDER ZURÜCK – dasselbe Gefühl hatte ich auch, 2 Jahre die mir dieses Schwein geraubt hat, die ich gelitten habe …doch ich habe es geschafft, er hat keine Macht mehr über mich …
    Das Opfer darf sich nicht mit Schuldgefühlen belasten, denn das will Täter ja, damit sein ausgewähltes Opfer die böse Tat verschweigt

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