Das Ende IV

Es geht etwas zu Ende für mich. Ich spüre seit einigen Wochen, dass sich da ein großer Wandel vollzieht und ich eine entscheidende Phase abschließe, während ich bereits mit der nächsten Phase begonnen habe. Noch ganz ist der Wandel nicht vollzogen, aber ich befinde mich gerade an der Stelle, an der der DJ zwei Lieder zusammen mixt. Im Übergang. Nicht mehr richtig im Alten, noch nicht richtig im Neuen. Daher ein Résumé: Das Alte; 2 Jahre; Der Übergang; Das Neue!

Das Neue

Wochenlang quäle ich mich nun mit diesem Text. Ich musste mich wieder einmal sehr intensiv mit mir selbst beschäftigen und hatte dabei interessante Erkenntnisse. Ich bin heute sehr froh darum, dass ich das machen musste, auch wenn es mich unfassbar viel Zeit kostete.

Als ich mich hinsetzte und anfing zu schreiben, was ich mir von der Zukunft wünsche, da bemerkte ich, dass ich das nicht greifen kann. Es war schwierig, auch nur ein einziges Wort zu finden. Alles lag im Nebel. Je mehr ich versuchte, den Nebel zu lichten, desto dichter wurde er. Zusätzlich wurde es dann auch noch dunkel. So watete ich durch ein dunkles Meer aus Sehnsüchten, Bedürfnissen und Wünschen. Viele Momentaufnahmen, die so schnell an mir vorbei zogen, dass ich nicht in der Lage war, auch nur einen Blick darauf werfen zu können. Ich verzweifelte zunehmend. Ich dachte, so schwer könne es doch nicht sein, heraus zu finden, was ich will, damit ich mich sofort danach an die Planung machen kann. Die Planung. Das war mein Ziel. Doch ich scheiterte an dem vorher notwendigen Schritt.

Mir wurde klar, dass ich dieses Problem schon immer hatte. Mir fällt es besonders schwer, meinen Willen zu formulieren und noch viel schwerer, selbst wenn ich ihn kenne, ihn dann auch umzusetzen. Mir wurde klar, dass ich im Laufe der Jahre, im Laufe der Anpassung, bei dem verzweifelten Versuch ein Teil dieser Gesellschaft zu werden, mich selbst so weit in den Hintergrund gerückt hatte, dass ich mich selbst nicht mehr sehen konnte. Dazu kommen ganz allgemein die großen Schwierigkeiten, irgendetwas zu fühlen und dieses auch identifizieren zu können. Ich habe allgemein schon einen sehr schwierigen Zugang zu meiner Emotionswelt, die ich so viele Jahre verdrängt hatte, um das Leben auf diesem Planeten, in dieser Gesellschaft, überhaupt ertragen zu können, so dass ich diesen Zugang, aufgrund der realen sozialen Isolation und das Absprechen meiner Wahrnehmung durch mein Umfeld, vollständig unmöglich machte. Ich sah mich dazu gezwungen.

Meine Wortwahl verlagerte sich nahezu vollständig von einem „Ich will …“ hin zu einem „Ich muss …“ und alles was ich muss, erzeugt in mir Unwohlsein und Widerwillen. Es wurde mir zunehmend schwerer mein Leben zu leben, weil es nur noch aus Konventionen und Druck bestand. Das ist es wohl, was ich meinte, wenn ich immer sagte, ich verlor mich oder ich wisse nicht, wer ich sei. Es ist die Wortwahl, die alles besiegelte. Und ohne etwas wollen zu dürfen, aber immer alles Müssen zu wollen, konnte ich einfach keinen Frieden mit mir und meinem Umfeld finden. Ich entfernte mich nicht nur von mir, sondern auch von allem anderen. Die Welt wurde zunehmend bedeutungslos.

Es wurde noch schlimmer. Nachdem alles seine Bedeutung verloren hatte und ich nur noch den Konventionen hinterher jagte, fing ich zunehmend an, Angst davor zu bekommen, etwas zu wollen, was mein Umfeld nicht wollte. Fortan bestimmte diese Angst mein Leben. Ich musste alles so machen, wie es von mir erwartet wurde, obwohl es immer zu viel oder zu wenig war, aber nie, was ich konnte. Meine Wünsche, meine Bedürfnisse, wurden irrelevant und ich versuchte nur noch nach dem Maß der anderen zu leben. Die wollten mehr Kontakt, als ich vertrug, die wollten mehr Verantwortung von mir, als ich übernehmen konnte, die wollten zu viel Oberflächliches von mir, was ich nicht geben konnte und mein Leben bestand nur noch aus Scheitern. Ich scheiterte an allem, an allen Anforderungen, die alle an mich stellten und so wurde ich schlußendlich so unzuverlässig, dass ich jeden permanent enttäuschte, was wiederum nur dazu führte, dass der Druck auf mich immer weiter erhöht wurde. Und wurde ich doch mal gefragt, was ich will und traute ich mich dann sogar, es mitzuteilen, wurde ich vollständig überhört. Auf mein Gesagtes wurde nicht einmal eingegangen. Es war, als hätte ich nie etwas gesagt. Das brannte sich ein.

Die Frage blieb aber. Durch meinen Zusammenbruch wurde mir klar, dass sich das ändern müsse. Schnell! Es konnte so nicht weiter gehen. Ich bin ein Individuum. Und damit ich glücklich sein kann und somit auch, es ist ja eben doch wichtig in unserer Gesellschaft, leistungsfähig, musste ich lernen, mich zu akzeptieren und brauchte Menschen, die respektieren, was ich brauche. Aber das wichtigste, ich muss jetzt lernen, herauszufinden, was ich will. Ich muss lernen, meine Empfindungen, die ich ja habe und nie verstehe, zu interpretieren. Und am Ende auch umzusetzen. Jetzt war ich dazu gezwungen! Kein Aufschub mehr.

Ich setzte mich also immer und immer wieder hin, zerstreute mich immer wieder, weil es zu viel wurde, setzte mich wieder hin. Doch anstatt Klarheit zu bekommen, rückte es in immer weitere Ferne. Und ich entschied mich, einfach mal eine Technik aus der Ideenfindung auszuprobieren. Je mehr ich im Internet darüber las, entschied ich mich schlußendlich, erst ein wildes Brainstorming zu veranstalten und danach alles in einer Mind-Map sinnvoll anzuordnen und zu gliedern. Dabei stellte ich verschiedene Dinge fest. Besonders viele Worte fanden sich in dem Wunsch, eine klar gegliederte Tagesstruktur aufzubauen. Aber auch ansonsten ging es immer wieder um den Wunsch nach Struktur. Nach Ordnung. Egal welches Thema. Und der Wunsch, diese Strukturen konsequent und klar in die Tat umzusetzen. Der ganz klare Wunsch, auch mal egoistisch sein zu dürfen und zu tun, was ich will. Nein zu sagen! Diese Mind-Map ist sicher noch immer nicht vollständig. Aber ich werde jetzt folgendes tun:

Ich entwickele gerade eine auf die Ausbildung abgestimmte Morgen- wie Abendroutine. In diese Routinen nehme ich lauter Verpflichtungen rein, die mir wichtig sind, die ich erledigen will. Wie zum Beispiel, jeden Morgen eine halbe Stunde aufzuräumen, damit ich nichts mehr tun muss, wenn ich Abends erschöpft nach Hause komme. Ich mache Abends Sport, um von dem Adrenalin-Schub herunter zu kommen, den ich tagsüber aufgebaut habe. Denn wenn ich einen ganzen Tag „in Gesellschaft“ verbracht habe, bin ich wie auf Drogen und total aufgedreht, völlig wirr im Kopf und habe starke Schwierigkeiten, in den Schlaf zu finden. Mit dem Adrenalin muss ich also etwas anfangen und das stecke ich wohl am besten in den Sport. Dort kann ich mich vollkommen auspowern und ich hoffe, dass mir so die wichtige Entspannung nicht vorenthalten bleiben wird. Danach werde ich auch noch etwas lesen oder schreiben. Etwas, was mich betrifft, etwas, was ich uneingeschränkt will, damit mein Hirn keine Angst bekommt, vernachlässigt zu werden. In Kombination sind ein unterfordertes Hirn und ein zu hoher Adrenalin-Spiegel nämlich wirklich absolut tödlich! Ich habe errechnet, dass ich zwischen Arbeit und Abendroutine noch etwa 3h Zeit habe. Die werde ich zwei Mal in der Woche nutzen, um Freundschaften zu pflegen. Drei Mal um zu lernen und mein SI damit zu befeuern. Das Wochenende steht dann vollständig im Zeichen der Entspannung. Samstags schaue ich inzwischen immer Shopping Queen, währenddessen betreibe ich fortgeschrittene, weibliche Körperpflege. Was genau ich mit dem Sonntag anfangen werde, das weiß ich noch nicht.

Ich möchte außerdem den Blog neu strukturieren. Was ich da genau machen werde, das weiß ich noch nicht, aber mir ist wichtig, hier eine klare Linie reinzubringen. Ich bin einfach nicht mehr die, die hier angefangen hat und mit mir muss mein Blog wachsen. Ich werde den alten Texten auch gar nicht mehr gerecht. Dass es war, wie es war, war gut, aber jetzt muss es anders werden, weil ich anders bin. Ich möchte meine neu gewonnene Lebensqualität auf den Blog übertragen, eine klare Linie finden und mich immer mehr mit Schreibtechniken auseinander setzen, weil ich gemerkt habe, dass ich eine Leidenschaft dafür entwickelt habe. Nun hat mich der Ehrgeiz gepackt.

Ich möchte auch endlich anfangen, an meinem Buch zu schreiben. Ich lerne gerade viel über Planungstechniken und ich bin mir sicher, dass ich vieles davon anwenden können werde. Der Blog soll als Übungsfeld fungieren.

Weiter werde ich an meinen Kommunikationsfähigkeiten arbeiten, die ich durch die Perspektivänderung schon deutlich verbessern konnte. Ich komme einer produktiven und effizienten Kommunikationsweise immer näher und ich bin sicher, dass wird mir zukünftig sehr hilfreich sein.

So erlerne ich gerade immer mehr Techniken, auch dank der tollen Hilfe von Auticon Hamburg, die mir gerade so phantastisch unter die Arme greifen und mir eine einmalige Chance bieten. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich in den letzten Monaten schrecklich viel Glück hatte und das auch die Rückschläge, die ich erlebte und weiterhin erlebe, immer wieder Fortschritt, aber niemals Rückschritt bedeuten. Das ist mein Plan für die Zukunft und nun fange ich an, alles wichtige zu planen und in die Tat umzusetzen, damit ich unter angenehmsten Umständen im August in die Ausbildung starten kann.

Jetzt aber, werde ich erst einmal nur den schlimmsten Monat des Jahres überleben. Den schrecklichen Dezember und das furchtbare Fest namens Weihnachten.

Ich danke euch allen sehr für die Mut machenden Kommentare, die ihr mir immer wieder da lasst! Ich wünsche euch nur das Beste!

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2 responses to “Das Ende IV

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