Das geht so nicht!

„Das wird so nichts, BloO.“ „Das kannst du nicht.“ „So darfst du das nicht machen.“ „Du erwartest da zu viel von dir!“ „Niemand hat das je geschafft!“ „Steck dir nicht so hohe Ziele, du wirst nur enttäuscht werden!“ „Wir reden in zehn Jahren nochmal darüber!“ „So gut bist du nicht!“ „Du bist nichts besonderes!“ „Benimm dich endlich mal normal!“ „Was stimmt denn nicht mit dir?“ „Du musst dich endlich anpassen!“ „Sieh endlich ein, dass das niemals funktionieren wird!“

Ich habe meinen eigenen Weg, wie ich irgendetwas machen muss!

All diese Ratschläge höre ich seit, ich weiß auch nicht wie vielen Jahren. Es fing wohl schon im Kindergarten an. Ich hatte immer meine Vorstellungen, Wünsche und Ziele. Ich wusste immer, dass ich großartiges leisten kann und das auch jeder andere großartiges leisten kann. Ich war nie der Auffassung, nur ich sei etwas besonderes, wenn ich mich selbst als etwas besonderes betrachtete. Ich hielt ausnahmslos jeden Menschen für besonders. Für einzigartig und großartig. Jeder Einzelne auf seine ganz eigene Weise zu etwas Großem bestimmt. Jeder schreibt seine eigene Geschichte und leistet phantastisches. Das war immer meine Überzeugung.

Bis ich auf die Welt traf. Seitdem wird mir gesagt, dass sei alles nicht so. Die Mittelmäßigkeit wird täglich hervorgehoben. Das Große ist nur den wenigen Genialen bestimmt. Bei mir war man sich da nie so sicher. Sie hielten mich immer für wahnsinnig und das liegt ja bekanntlich nah an der Genialität. Ich hielt Genialität nicht für etwas besonderes. Ich war immer fasziniert davon, wenn jemand etwas besonders gut konnte, ganz gleich was es war. Für mich waren sie alle einzigartige Talente, die ich sehr bewunderte. Und das tat ich auch bei mir selbst.

Ich habe für mich eine ganz klare Philosophie gehabt:

Ich muss meine Ziele möglichst hoch stecken, weil ich immer ein bisschen drunter liege.

Das verstand aber niemand. Die gängige Meinung ist, das nennt man dann realistisch, dass man seine Ziele tief stecken muss, um sie dann übertreffen zu können. Nur so wird man zufrieden mit sich selbst sein. Ich war aber immer ein bisschen schlechter, als meine Ziele. Das erkannte ich sehr schnell. Ich habe nahezu nie meine Ziele übertreffen können. Ich kann das einfach nicht. Ich empfinde mich da also durchaus als realistisch, wenn ich mir ein hohes Ziel stecke, wenn ich weiß, dass ich sowieso drunter liegen werde. Und damit auch umgehen kann. Ich erwarte, dass ich drunter liege. Und wenn eintrifft, was ich erwartet habe, bin ich nicht minder zufrieden. Im Gegenteil. Ich freue mich tierisch darüber, wenn ich einfach nur in die Nähe meines Ziels geraten bin.

Ich bin allerdings extrem unzufrieden, wenn ich meine Ziele zu tief gesteckt habe und dann bereits einfachste Aufgaben nicht erfüllen kann. Das ist aber eben keine gängige Sichtweise, kein gängiger Umgang und daher wurde immer gegen mich geredet, selbst wenn ich versuchte, es so zu erklären. Es lag außerhalb der Vorstellungskraft, des Erfahrungshorizonts, meiner Mitmenschen.

Allerdings ziehe ich genau daraus meine Selbstsicherheit. Ich weiß was ich kann, was ich erreichen kann und schätze meine Ziele durchaus realistisch ein. Und ich weiß, wie ich mich selbst psychisch austricksen kann, um meine bestmögliche Leistung aus mir heraus zu holen und damit war ich bisher immer glücklich und zufrieden. Das ist meine volle Überzeugung. Ich bin überzeugt, es so hoch schaffen zu können und bin mir meiner Selbst sehr sicher. Ich vertraue darauf, dass ich mich kenne und weiß, wie ich funktioniere. Das ich immer ein bisschen unter meinem Ziel liege, liegt auch daran, weil ich weiß, dass ich mich manchmal ablenken lasse oder keine Lust habe, etwas dafür zu tun. Damit war ich immer einverstanden, das stellte nie ein Problem für mich dar, sondern war natürlich für mich. Das ich also ein bisschen unter meinem Ziel liege, hat damit zu tun, weil ich mir selbst die Freiheit gewähre, auch mal nein zu sagen und etwas anderes zu tun, wenn mir eben gerade danach ist. Aber so macht man das eben nicht.

Nach und nach verlor ich meine Selbstsicherheit. Mein Selbstvertrauen. Ich war mir einfach nicht mehr sicher, ob ich mich richtig einschätzte, obwohl es immer funktionierte und ich es mir ständig selbst bewies. Bis ich irgendwann so unsicher war, dass ich es mir nicht mehr selbst beweisen konnte. Und so fiel ich immer weiter hinunter. Ich versuchte die Ratschläge zu berücksichtigen und steckte meine Ziele immer tiefer, weil ich es doch richtig machen wollte, weil ich doch endlich wieder Erfolg haben wollte. Der Erfolg blieb aus. Ich war immer ein bisschen schlechter, als mein Ziel. Und je tiefer mein Ziel lag, umso unzufriedener und unsicherer wurde ich. Bis ich irgendwann gebrochen war und alles aufgab. Mich für dumm hielt. Nicht mehr daran glaubte, auch nur irgendetwas schaffen zu können. Ich hielt mich für einen totalen Nichtsnutz. Ein Taugenichts. Ein Vollidiot.

Mein Lieblingssatz wurde: Tut mir Leid, dass ich zu dumm dazu bin. Das große Problem war, da ich mich immer, aufgrund fehlendem Feedback, als häßlich empfand und so definierte ich mich vor allem über meinen Geist. Daher war mir ein ästhetischer Geist auch immer so unglaublich wichtig. Bildung war mir immer das höchste Gut! Und nun hatte ich das nicht mehr. Ich war dumm und ich scheiterte an jeglichem Bildungsversuch. All mein Selbstvertrauen war dahin. Alles was ich hatte, war weg. Es gab nichts mehr, worauf ich mich stützen konnte. Nicht mal: Wenigstens sehe ich gut aus.

Sein Selbstvertrauen zu behalten, wenn die ganze Welt behauptet, du triffst die falschen Entscheidungen und beurteilst dich selbst falsch, ist sehr schwierig. Lange war ich unglaublich wütend und trotzig deswegen. Doch auch das geht eben irgendwann vorbei und dann hat es mich einfach nur gebrochen. Es war immer nur kämpfen, kämpfen, kämpfen. Aber immer nur kämpfen funktioniert nicht. Die Kraft ist irgendwann zu Ende. Was mir also noch fehlt, ist ein geeigneter Umgang damit.

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