Die Durchwirrtheit

Sie ist einer der schlimmsten Zustände, die ich kenne. Die Durchwirrtheit. Ich weiß nicht in Worte zu fassen, was los ist mit mir. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin wie gelähmt und nichts mehr funktioniert. Alles ist Chaos. Um mich herum existiert nichts mehr. Irgendetwas passiert, ich weiß nicht was es ist, und plötzlich fliegen alle Elemente in meinem Leben um mich herum, so wie die Elektronen um den Kern im Atom. Ich kann nichts mehr lokalisieren. Alles ist ohne erkennbares Muster in Bewegung.

Ich bin durcheinander, weil alles seine Ordnung verliert. Nichts ist mehr an dem Ort, an dem ich es fein säuberlich positioniert hatte. Ich hatte für mich alles klar sortiert. Und dann, ganz plötzlich, kommen diese Gefühle und machen alles durcheinander. Es ist, als hätte in meine Wohnung eine Bombe eingeschlagen. Und ich soll das jetzt aufräumen. Ich kann das nicht gut, selbst wenn es nicht viel aufzuräumen gibt. Alles was keinen ordentlichen festen Platz hat, kann nicht eingeräumt werden, weil ich mir erst ein System überlegen muss. Und ich kann auch dann nicht aufräumen, wenn es zu viel zum aufräumen gibt. Ich bin völlig überfordert und gelähmt. Mir fehlt einfach ein Bild im Kopf. Ich habe keine Vorstellung davon, wie die nächsten Schritte aussehen könnten, weil ich keine Vorstellung davon habe, was da gerade in mir passiert. Da ist nur schwarz.

Da sind also diese Gefühle eingeschlagen, wie eine Bombe. Gefühle, die ich nicht verstehe, die ich nicht deuten kann, die ich nicht sortieren kann, ja die ich nicht einmal greifen kann. Es ist als verlangte jemand von mir Wasser zu sortieren. Normale Menschen haben da ein Filtersystem. Am Ende kommt sauberes Wasser heraus. Ich habe das nicht. Ich soll das manuell machen. Also mit meinen Händen!

Wer kann denn bitte Wasser mit seinen Händen filtern?

Das verwirrt mich in höchstem Maße. Und weil ich so durcheinander bin, weil das reinste Chaos herrscht und ich so verwirrt bin, weil ich die Gefühle nicht sortieren kann, nicht mal richtig erkennen kann, nur diffus ihre Anwesenheit bemerke, verliere ich meine gesamte Sicherheit. Sicherheit, die ich so dringend benötige. Klare Verhältnisse, Regeln, an die ich mich halten kann. Alles ist weg. Dann bin ich vollkommen verunsichert. Und ich suche verzweifelt nach Halt, suche verzweifelt nach Sicherheit, nach Klarheit, damit ich mich orientieren kann, aber egal was ich tue, ich finde einfach nichts. Ich bin völlig verloren und falle irgendwo hin. Der Ort ist nicht sichtbar.

Ich erkenne, dass ich in diesem Strudel drin bin, der mich immer weiter hinunterzieht. Immerhin. Das habe ich früher nicht geschafft. Heute kann ich das. Aber ich habe keine Ahnung, wie man angemessen auf irgendwas reagiert. Ich habe keine Ahnung, was mir mitzuteilen versucht wird. Ich verstehe diese ganzen widersprüchlichen Dinge nicht, die ich von meinem Körper gesendet bekomme. Ich weiß nur: unangenehm, viel. Ich kann die Puzzleteile nicht zusammensetzen. Schon gar nicht in diesem Zustand der Durchwirrtheit. Ich stehe wie der Ochs vor dem Berg.

Wie komme ich nur aus diesem Zustand wieder heraus?

Meine einzige Idee, jetzt gerade, in diesem Augenblick, ist, mich an einem Gerüst fest zu halten. Ich weiß nichts besseres. Aber ich kann kaum die Kraft aufbringen. Eigentlich ist ganz klar, was meine Aufgabe ist. Ich habe heute drei Dinge zu tun. Und dennoch sind mir diese Aufgaben, die ich habe und die keinen Zweifel zulassen, wie sie auszuführen sind, so unklar wie nie zuvor. Ich erkenne, dass es mir schon häufiger so ging. Das sind die Momente, in denen meine Routinen einbrechen. In denen alles seine Bedeutung verliert. Ich in der Durchwirrtheit versinke und planlos zurück bleibe. Da muss etwas in mir geklärt werden. Irgendwas. Ich weiß nicht was. Es ist einfach nicht greifbar. Irgendein Bedürfnis meldet sich an. Mein Körper schüttet Hormone oder etwas in der Art aus und will meinem Hirn eine Information geben. Bitte heute dieses und jenes tun, weil Stoff X benötigt wird. Aber was ist Stoff X? Mir fehlt eine Strategie, wie ich das heraus finden kann. Körper! Bitte rede Klartext mit mir, ich verstehe dich leider nicht, bitte hör auf mir Rätsel aufzugeben, die ich nicht lösen kann!

Vielleicht brauche ich ja nur Zeit. Vielleicht sollte ich gelassener darauf reagieren und mir sagen: Ja gut, da ist zwar grad irgendein ganz wichtiges Bedürfnis, das befriedigt werden will, aber ich weiß eben nicht, welches es ist. Also mache ich erst einmal weiter wie bisher, bis es mir irgendwann einfach aufgeht! Vielleicht ist es ja so, wie mit Worten, oder Namen, die einem gerade nicht einfallen. Da darf man auch nicht drüber nachdenken, weil einem das sonst nicht einfällt. Vielleicht muss ich auch einfach stumpf weiter machen und warten. Abwarten und Tee trinken. Bis es soweit ist. Vielleicht ist mein Hirn einfach nur langsam und mir bleibt nichts, als das zu akzeptieren. Vielleicht ist das Teil dieses Selbstvertrauens. Darauf vertrauen, dass ich das schon irgendwann merken werde. Hoffentlich bevor es zu spät ist. Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, es zerreißt mich innerlich.

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