Schritt Zwölf

Eine klassische Frage innerhalb der Depression ist die Frage nach dem Sinn des Lebens. Auch ich habe sie mir gestellt. Die Sinnlosigkeit erdrückte mich. Dieses Gefühl von innerer Leere, die mich förmlich zerfraß, breitete sich bis in die allerhinterste Zelle aus. Es war lähmend, gleichzeitig zerreißend, dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Die Analogie des Fallens beschreibt es gut. Hatte ich vorher einen Sinn in meinem Leben, so war er mir nicht bewusst und der unbewusste Sinn in meinem Leben, der dadurch gar nicht greifbar sein kann, war infrage gestellt. Oder hatte ich ihn gar verloren? Ist die Frage nach dem Sinn im Leben vielleicht einfach nur das verloren gegangene, intuitive Verständnis von Sinn? Gar nicht ein echter Sinnverlust, sondern nur der Verlust zum intuitiven Zugang?

Im Flow fühle ich mich wohl und im Circulus Vitiosus verschlechtert sich mein Wohlbefinden.

Im Grunde gibt es, wenn wir Fertigkeiten erlernen oder verfeinern, drei verschiedene Zustände, auf die wir treffen können. Den Circulus Vitiosus, den Flow und die Langeweile. Alle drei Zustände zeigen uns klar und deutlich an, welche Fertigkeiten wir gerade haben und in welchem relativen Schwierigkeitsgrad sich unsere Aufgabe befindet. Ich persönlich stelle diese Zustände mit den Schwierigkeitsgraden zu schwer, genau richtig und zu leicht gleich. Eigentlich ein einfaches System, dass uns dazu dienen kann, den Schwierigkeitsgrad immer an unsere individuellen Fertigkeiten anzupassen, um weiter zu kommen. Alle drei Zustände wirken wie Kreisläufe, die sich selbst verstärken. Im Falle des Flows ist das gewollt, doch im Falle des Circulus Vitiosus oder der Langeweile, wollen wir das eigentlich nicht. Das kann dann, unter Umständen, auch zu Schäden führen.

Der Circulus Vitiosus setzt ein, wenn eine Aufgabe unsere Fertigkeiten übersteigt. Wenn wir überfordert sind. Die Aufgabe, die wir gerade bearbeiten, ist zu schwer. Wir scheitern an der Aufgabe und das nehmen wir dann als suboptimale, oder negative, Erfahrung wahr. Weil wir nun wissen, dass wir diese Aufgabe nicht bewältigen können, versuchen wir sie zu vermeiden, ihr aus dem Weg zu gehen. Das kann eine enorme Belastung darstellen, zum Beispiel wenn diese Aufgabe Teil unseres Jobs ist, oder noch schlimmer, im Bereich der sozialen Fertigkeiten liegt, wir sie also brauchen, um uns in unserem Leben überhaupt zurecht finden zu können. Nicht Fußball spielen zu können ist hingegen eine nicht ganz so enorme Belastung für die allermeisten Menschen, sofern sie sich nicht darin verbissen haben und auf nichts anderes ausweichen können. Sehen wir uns dann dazu gezwungen, eine Aufgabe zu übernehmen, die der ähnelt, an der wir scheiterten, gehen wir schon mit Vorbelastung, einem unguten Gefühl, an die Sache heran. Wir wollen eigentlich nicht und tun es nur deshalb, weil wir uns gezwungen sehen, diese Aufgabe zu übernehmen. Das erhöht die Chancen, auch an dieser neuen Aufgabe zu scheitern und so entsteht dieser Kreislauf. Die Folgen sind Selbstzweifel und Ängste, die immer schwerer werden, je tiefer wir in diesem Kreislauf stecken. Psychische Unordnung entsteht.

Der Flow stellt dagegen eine optimale Erfahrung dar, die psychische Ordnung schafft und für Erholung sorgt. Nachdem wir eine Aufgabe erfolgreich bewältigt haben, speichern wir sie als optimale, oder positive, Erfahrung ab. Das weckt unsere Neugier auf ähnliche, diesmal eventuell etwas schwierigere Aufgaben. Wir stellen uns gerne dieser neuen Herausforderung und befinden uns nun in einem Kreislauf nach oben. Sie stärkt die unterschiedlichen Selbsts: Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit. Das alles weckt in uns die Lust auf mehr, wir empfinden Freude und fühlen uns wohl, unser Antrieb wird stärker. Im Flow steigern wir die Komplexität unseres Selbsts, während wir unsere Umwelt gleichzeitig vereinfachen. Denn selbstverständlich wird unser Alltag und unsere Umwelt immer einfacher, je feiner unsere Fertigkeiten entwickelt sind. Jemand der gerade erst zu stricken anfängt, wird nicht die Leichtigkeit verspüren, die ein erfahrener Stricker hat. Außerdem können wir an vielen Fertigkeiten beispielhaft auch für andere Bereiche lernen. Das alles macht uns das zurechtfinden in der Welt leichter und angenehmer. Wir haben das Gefühl, wir können alles schaffen und wenden uns mit Freude und Mut neuen Dingen zu.

Die Langeweile hingegen entsteht immer dann, wenn wir mit einer Aufgabe betraut sind, die zu einfach für uns ist. Wir könnten die Aufgabe zwar mit Leichtigkeit bewältigen, aber es ist so unbefriedigend, dass die Konzentration auf die Aufgabe schwer fällt, wir erledigen sie oft nur halbherzig, sind mit unseren Gedanken einfach ganz woanders und das kann eventuell sogar dazu führen, dass wir die Aufgabe nicht erfolgreich bewältigen können. Auf jeden Fall liegen unsere Leistungen hinter dem, was wir eigentlich hätten leisten können. Auch das empfinden wir als suboptimale, also negative, Erfahrung und der Kreislauf ist der dem Circulus Vitiosus ganz ähnlich. Es ist entmutigend, wir verlieren unsere Lust darauf und empfinden die Aufgabe als Belastung. In jedem Falle bringt uns diese Aufgabe nicht weiter. Wir haben Langeweile und fühlen uns unzufrieden, vielleicht werden wir sogar grumpelig und fangen an, an allem herum zu nörgeln. Während wir in der Überforderung vor allem die Schuld bei uns selbst sehen, sehen wir in der Langeweile die Schuld gerne bei allen anderen. Denn wir könnten ja, wenn wir nur dürften, aber wir dürfen ja nicht. Vielleicht fangen wir dann sogar an, den Lebensbereich, in dem die Langeweile vorkommt, gering zu schätzen.

Wir entwickeln uns und wir verwickeln uns

Die Verwicklung definiere ich als das Gegenteil der Entwicklung. Ganz so wie ein Wollknäuel. Wenn wir das Knäuel entwickeln und diese Entwicklung dann nutzen, dann entsteht vielleicht eine schöne Jacke, ein Kleid oder auch der klassische Schal oder die klassischen Socken. Die bringen uns weiter, denn sie halten uns warm. Wir ziehen einen positiven Nutzen aus der Entwicklung. Sie macht uns das Leben einfacher. Wir können das Knäuel aber auch entwickeln und dann sofort noch viel unordentlicher verwickeln. Etwa weil wir noch gar nicht stricken können und uns an einem Strickmuster versuchen, das noch viel zu schwierig für uns ist. Oder aber wir stricken etwas, was viel zu einfach ist, konzentrieren uns schlecht, machen es unordentlich und dann sind wir enttäuscht und geben auf. In beiden Fällen würden wir vielleicht wütend alles zusammen knüllen und in eine Ecke werfen. Alles verknotet sich dann und es wird schwieriger, das alles wieder zu entwickeln.

Mit unserer Psyche, mit unseren Fertigkeiten, funktioniert das ganz ähnlich. Befindet sich unsere Aufgabe in dem richtigen Schwierigkeitsgrad, erfreuen wir uns daran. Wir arbeiten konzentriert und am Ende haben wir etwas, was uns nützt und womit wir wieder weiter arbeiten können. Wir sind vielleicht in unserer Aufgabe völlig aufgegangen, haben die Zeit vergessen und etwas erschaffen, auf das wir stolz sein können. Wenn wir allerdings aufgegeben haben, weil es zu schwer oder zu leicht war, und wir alles wütend und frustriert in eine Ecke geworfen haben, dann haben wir psychische Unordnung geschaffen. Wir haben etwas angefangen und betrachten diesen Anfang nun als Müll, der da so rumliegt, wertlos und nutzlos. Dabei müsste das kein Müll sein, wenn wir den Schwierigkeitsgrad bloß an unsere Fertigkeiten angepasst hätten. Ein schwierigeres Muster gewählt hätten oder den Aufbau komplizierter gewählt hätten. Statt dem Schal vielleicht eine Jacke oder Socken. Oder ein leichteres Muster gewählt hätten, statt der Jacke erst mal nur einen Schal angefangen hätten und dann verschiedene Muster in den Schal eingearbeitet hätten.

Ein besonders auffälliges Beispiel lese und sehe ich häufig, wenn es darum geht, dass Menschen den falschen Menschen ihr Vertrauen geschenkt haben. Wenn sie dann verletzt wurden. Ein häufiger Rat, den ich da lese, ist Schenke nicht jedem dein Herz, die meisten haben es ja sowieso nicht verdient. Ich bin auch schon oft verletzt worden und ich bin nicht nur verletzt worden, ich bin zerstört worden. Von meiner Familie, von Freunden, von Partnern. Aber jetzt frustriert alles in die Ecke zu werfen und zu jammern und zu sagen Ich werde nie wieder jemandem vertrauen schenken, ist eben auch mehr Verwicklung, als Entwicklung. Die Aufgabe war noch zu schwer vielleicht, wobei jeder bei sich selbst gucken muss, um welche Aufgabe es gerade ging. Einen Menschen bedingungslos zu lieben ist nun weiß Gott kein leichtes Unterfangen und ich persönliche finde, es ist eine der schwierigsten Aufgaben, die uns Menschen gestellt wird. Zu verbittern ist aber irgendwie, finde ich, auch nicht die richtige Lösung, denn ich fühle mich wieder an das Sprichwort erinnert:

Sich zu ärgern ist wie Gift zu trinken und zu erwarten, dass der andere stirbt.

Es kommt aus meiner Sicht eher einer Selbstbestrafung gleich. Eine Selbstlimitierung. Man beraubt sich selbst seiner Bedürfnisse und wundert sich dann, warum man grumpelig und unzufrieden ist. Und in der Folge ebenfalls grumpelige und unzufriedene Menschen anzieht. Sich zu verschließen ist eben nicht der richtige Weg, auch wenn der Grundgedanke dahinter ein edler sein mag. Selbstschutz nämlich. Das wir uns selbst limitieren und das zum Selbstschutz machen ist ja an sich kein verkehrter Gedanke. An sich zeigt das den Willen, den Schwierigkeitsgrad an die eigenen Fertigkeiten anzupassen. Nur die Absolutheit führt dann vom Circulus Vitiosus direkt in die Langeweile. Nur sind wir ja nun davon überzeugt, dass wir die schwierigere Aufgabe niemals bewältigen können werden und daher erhöhen wir vorsorglich auch den Schwierigkeitsgrad nicht mehr. Wir hängen fest in unserer Selbstlimitierung, die ursprünglich mal zum eigenen Schutz gedacht war und uns nun daran hindert, uns weiter zu entwickeln. Ein Leben in der Vergangenheit, weil wir immer wieder an den verursachten Schmerz erinnert werden und ihn nicht los lassen können oder wollen. Das soll schließlich nicht noch einmal passieren. Ich verstehe das. Es führt aber nicht zu mehr Glück und Zufriedenheit.

Mache ich etwas, weil ich mich dazu gezwungen sehe oder weil ich einfach Bock drauf habe?

Wenn wir uns in der Langeweile oder dem Circulus Vitiosus befinden und dennoch immer weiter mit Aufgaben zu tun haben, die wir nicht bewältigen können oder wollen, dann tun wir das vor allen Dingen deshalb, weil wir glauben, wir müssen das tun. Wir empfinden es als Zwang von außen, dem wir uns zu beugen haben, obwohl wir lieber davon laufen wollen. Wir fühlen uns der Aufgabe gar nicht gewachsen, wollen lieber etwas anderes machen und sehen keine Chance darin, einfach zu gehen. Das wir diese Aufgaben also dennoch immer wieder angehen ist eher extrinsisch motiviert, als intrinsisch. Von uns selbst aus wollen wir das nicht. Es sind die anderen, die das wollen und sie zwingen uns dazu, weil sie uns zum Beispiel unserer Existenz berauben. Den Job, durch den wir uns durchquälen, weil wir sonst unsere Wohnung verlieren und nichts mehr zu essen haben. Die Schule, die zum täglichen Überlebenskampf wird, weil unsere Eltern uns drohen, uns auf die Straße zu setzen und weil die Gesellschaft uns droht, ohne Abschluß niemals an die finanziellen Mittel zu kommen, die wir zum Überleben brauchen. Die sozialen Situationen, durch die wir uns durchkämpfen, obwohl wir keine Kraft dafür haben, weil wir sonst vielleicht vollkommen alleine dastehen und wir können doch jetzt schon unser Leben kaum noch eigenständig meistern. Wir sind auf die Hilfe angewiesen, doch die kriegen wir nur, wenn wir permanent über unsere Grenzen gehen und dabei so tun, als wäre alles super. Unser eigener Wille liegt ganz woanders, unsere Aufgaben liegen ganz woanders. Sie müssten viel niedrigschwelliger sein (oder höherschwelliger), doch wir werden permanent mit Aufgaben betraut, die viel zu schwer oder leicht für uns sind und für die wir einfach keine Kraft oder Konzentration mehr haben. Die systematisch unsere Selbsts angreifen und mit jedem Scheitern wird die Aufgabe schwieriger und schwieriger.

Nur weil wir uns gezwungen sehen diese viel zu schweren oder leichten Aufgaben anzunehmen, passen wir unseren Schwierigkeitsgrad nicht an. Wir passen ihn nicht an, weil wir die Konsequenzen fürchten, wenn wir zugeben, dass diese Aufgabe noch oder gerade zu schwer oder einfach zu leicht für uns ist. Und dann stecken wir drin, in diesem Kreislauf. Flow ist fast nirgends mehr möglich, je mehr Bereiche in unserem Leben beeinträchtigt sind. Wie ich im Text über die psychische Unordnung geschrieben habe, breitet sie sich nämlich aus. Läuft es in einem Bereich nicht gut, wird direkt der nächste Bereich unordentlich gemacht und die Unordnung nimmt seinen Lauf. Bis alles irgendwann in Trümmern liegt. Und spätestens an diesem Punkt wissen wir gar nicht mehr, wie wir die psychische Unordnung nur aufräumen sollen. Und alles nur deshalb, weil wir den ersten Raum nicht sofort aufgeräumt haben. Den Schwierigkeitsgrad nicht angepasst haben. Weil wir uns von außen dazu gezwungen sahen.

Depressive sind nicht schwach, sondern waren zu lange zu stark

Das ganze wäre ganz anders gelaufen, wenn wir darauf gehört hätten, was unser eigener Wille war. Wenn wir aus intrinsischer Motivation heraus unseren Schwierigkeitsgrad angepasst hätten und so wieder zurück in den Flow gefunden hätten. Wir sind die einzigen, die wissen, welchen Schwierigkeitsgrad wir gerade brauchen. Von außen kann das niemand entscheiden. Doch wir haben es von außen entscheiden lassen und uns mit den Worten über den Umstand, isoliert zu werden, getröstet, dass wir es nur lang genug aushalten müssten, damit es wieder gut wird. Doch das ist ein fataler Fehler. Sicher ist aushalten etwas, was man können muss, aber das funktioniert nur bei Aufgaben, die leicht über unseren aktuellen Fertigkeiten liegen, nicht wenn sie massiv darüber liegen. Das richtig einschätzen zu lernen, ist ein unfassbar wichtiger Skill.

Was ist also der Sinn des Lebens?

In meinen Augen ist der Sinn des Lebens, dass es keinen Sinn des Lebens gibt. Zumindest nicht so, wie wir es uns häufig vorstellen, wenn er uns gerade fehlt. Wir haben eine Art intuitiven Zugang zum Sinn des Lebens und dieser Sinn kann nichts anderes sein, als die persönliche Entwicklung. Eine Aneinanderreihung von optimalen Erfahrungen, die unser Selbst komplexer werden lassen. Solange unser Leben zufällig aus mehr optimalen, als suboptimalen, Erfahrungen besteht, müssen wir nicht darüber nachdenken, was der Sinn des Lebens ist. Intuitiv wissen wir das einfach. Wir finden unser Glück, unsere Zufriedenheit, unsere Freude, unsere Komplexität in den Flows, die wir haben. Besteht unser Leben aus einer Aneinanderreihung von negativen Erfahrungen, kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem wir vergessen haben, dass es auch positive Erfahrungen gibt. Und manche Menschen haben sogar das Pech, wirklich noch nie eine positive Erfahrung gemacht zu haben. Das ist schlimm! Aber genau das sind die Momente, in denen wir uns fragen, was denn eigentlich der Sinn des Lebens ist. Weil wir ihn nicht mehr erfahren und ihn deshalb auch intuitiv nicht mehr erspüren können.

Daraus auszubrechen und endlich den Schwierigkeitsgrad an die eigenen Fertigkeiten anzupassen, ist wirklich nicht einfach. Wie wichtig es aber ist, das zu tun, zeigt, dass man sterben kann, wenn die Aufgaben immer nur zu schwer oder immer nur zu leicht sind. Schutz finden wir daher nur, wenn wir uns dieser Sache bewusst sind und bewusst darauf achten. Das ist, was Achtsamkeit in meinen Augen meint. Darauf zu achten, ob der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe gerade der richtige ist oder ob er angepasst werden muss. Angezeigt wird uns das durch Gefühle oder aber eben auch als direktes Feedback, indem wir erfolgreich sind oder scheitern. Sich einzugestehen, dass eine Aufgabe zu schwer ist und sie leichter gemacht werden muss oder aber sich einzugestehen, dass die Aufgabe zu leicht ist und sie schwieriger gemacht werden muss, ist keine Schwäche, sondern zwingend notwendig, wenn wir glücklich sein wollen und Freude bei einer Aufgabe erleben wollen. Es ist Stärke und bewundernswert.

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One response to “Schritt Zwölf

  • Herr Jonas IV.

    Das ist ein interessanter Text und es freut mich sehr, dass Sie nun mit Ihren Problemen umgehen können.
    Ich möchte nur noch etwas zum „Sinn des Lebens“ schreiben, da ich mich damit auch oft befasst habe.
    Ich denke ebenfalls, dass es keinen Sinn (bzw. „Zweck“) des Lebens oder irgendwas anderem gibt. Denn Sinn und Zweck wird immer durch ein (oder mehrere) Subjekt(e) bestimmt. Das heißt, dass nicht etwas „an sich“ sinnvoll, sondern immer „für etwas/jemanden“ sinnvoll sein kann.
    Ein klassisches Beispiel zur Veranschaulichung: Wenn die Erde oder unser ganzes Sonnensystem verschwinden würden, wen würde es stören? Es wäre ja keiner da, der sich ärgern oder trauern könnte. Die Erde wird also nicht „per se“ oder objektiv gebraucht. Sie und ihre Bewohner haben keinen Sinn.
    Wenn man als Mensch keinen Sinn hat, muss man sich einen suchen. Geleitet wird man dabei nur von den eigenen, subjektiven Empfindungen, die sich glücklicherweise im Groben bei uns Menschen ähneln: Schmerzen sind den meisten Menschen unangenehm, jeder hat Hunger, Durst, etc., die meisten Menschen freuen sich über Nettigkeiten und vieles mehr.
    Das heißt, dass man — obwohl es keinen „vorgefertigten“ Sinn gibt — in etwa ein Gefühl dafür hat, was einem gut tut und was nicht und dass man nach etwas strebt.
    Für mich heißt das, diese angestrebten Ziele der Zufriedenheit usw. nicht unbedingt möglichst schnell zu erreichen (wie z.B. durch einen Banküberfall für Reichtum oder eine Heroin-Spritze für Glückseligkeit), sondern möglichst nachhaltig (z.B. auch unangenehme Momente in Kauf nehmen, wenn es die Erfahrung hilfreich steigert).
    Und schon hat man mehr als genug zu tun, da das alles im Konkreten noch viel komplizierter und differenzierter ist, wie Sie sicherlich selbst wissen.

    Mit frohem Gruße
    — Herr Jonas IV.

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