Der Platz in meinem Kopf

Mich stört etwas. Ich weiß nicht so richtig was. Nur das etwas stört. Wahrscheinlich gar nicht etwas, eher vieles. Nur was? Stundenlang starre ich die Wand an. Diese wunderschöne, mintfarbene Wand, die ich vor 1.5 Jahren so liebevoll in einer Hauruck-Aktion in der späten Sommersonne strich. Wie hatte ich denn das ausgewählt? Ich hab die Farbe gesehen und sofort gewusst: Das ist sie! Ich musste erst sehen, was ich konnte, um zu wissen, was ich wollte. Dann ist es sicher nicht hilfreich, wenn ich hier die Wand anstarre und grübele, was in mir dieses Gefühl von Unwohlsein auslöst. Mir fehlt das hinsehen. Die Wand gefällt mir noch immer sehr gut, die ist es ja nicht. Also schaue ich an mir runter. Ich sehe mich schon wieder eine Zigarette haltend, dabei wollte ich doch … . Ich schaue nach links, dort steht ein Teller mit den Resten meines Abendessens, daneben eine Packung Schokocreme, der Löffel liegt umgedreht daneben. Dabei wollte ich doch … . Ich schaue meinen Bauch an, wie er sich über den Bund meiner Gammelhose wölbt. Ich schaue mir meine Arme an, die kraftlos an mir herunter hängen. Ich drehe meine Handflächen nach oben und betrachte sie eindringlich. Wo sind eigentlich die Stellen mit der dicken Hornhaut geblieben? Ich wollte doch … . Ich sitze halbnackt auf den Überresten der wild verlebten Woche voller Ausschweifungen und dem absoluten Gegenteil davon. Es ist unordentlich. Die Wohnung hat gerade keine Funktion und überhaupt, die, die sie hat, sind nicht alle richtig, ich wollte doch … . Der Blick wandert ein Stück nach oben und fällt auf den Bildschirm des Notebooks, der die letzte Folge „House of Cards“ abspielt. Er wandert über die offenen Tabs und bleibt an der WordPress-Seite hängen. Ich wollte doch … . Mich beschleicht das Gefühl, ich habe viel zu lang nicht mehr genauer hingesehen.

Ich schnappe mir mein mobiles Telefon, welches die Bezeichnung Telefon, in meinem Besitz befindend, wirklich nicht verdient hat. Minuten vergehen, während ich den Startbildschirm anstarre. Endlich öffne ich die App zum Herunterladen von Apps. Die Appsapp. Und ich durchwühle die Kategorie LifeStyle. Hier muss doch irgendwo die Lösung für mich sein! Ich lande wieder auf dem Startbildschirm und Evernote fällt mir in den Blick. Fabulous auch. Ich stolpere zurück in die Appsapp und finde eine, bei der ich Balken voll werden lassen kann. Ich mag Balken. Vielleicht eine Kombination aus allen drein? Schlußendlich klicke ich auf den Twitter-Tab und bin fest entschlossen, etwas zu posten. Nur was? Was war das jetzt alles? Mein Blick wandert noch einmal über alles, was ich mir die letzten Minuten angeschaut hatte und sturr tippe ich eine Liste in das kleine Feld. Senden. Fertig.

Ich muss schon hinsehen, wenn ich etwas sehen möchte …

Den Fehler, den ich allzu gerne mache, ist tatsächlich, die Wand anzustarren, wenn ich versuche, etwas heraus zu finden. Wahrscheinlich als Platzhalter, denn nach innen kann ich ja schlecht gucken und wer kann denn ahnen, dass auch das außen meines Körpers Hinweise auf mein Innen liefert? Ich bringe das immer ganz schwer zusammen. Findet mein Leben doch hauptsächlich in meinem Kopf statt und das außen ist doch bloß dazu da, es mir innen drin möglichst gemütlich zu machen.

Ach so ist das …

Mein Leben habe ich mir so eingerichtet, dass ich die meiste Zeit dort verbringen kann, wo ich am allerliebsten bin. In meinem Kopf. In meinen Gedanken. Lernend. Lesend, denkend, verarbeitend, als entzückend oder faszinierend beurteilend. Ich liebe es, Dinge als entzückend oder faszinierend zu beurteilen. Aber auch als phantastisch oder großartig. Erzählen mir andere von ihrem Kopf, stelle ich am liebsten schön fest. Ich mag die schönen Dinge einfach. In meiner Welt ist alles schön und faszinierend und interessant und hilfreich und erkenntnisreich und überhaupt, einfach entzückend und phantastisch und großartig und faszinierend. Ich fühle mich dort wirklich wohl.

In den letzten Jahren habe ich alles um mich herum so eingerichtet, dass ich die meiste Zeit meines Lebens an diesem Ort verbringen kann. Meine Wohnung ist darauf abgestimmt, mir gut zu tun. Der Sport macht die Kapazitäten frei. Die Ernährung macht die Kapazitäten frei. Egal was ich tue, es macht Kapazitäten frei. Und wenn es das noch nicht macht, dann muss das eben dahingehend geändert werden. Ach ja … Da muss noch etwas geändert werden. Denn ich habe zwar inzwischen schon wieder viele Kapazitäten frei, viel Energie frei, aber noch nicht genug. Ich muss da noch ein bisschen mein Umfeld anpassen, um das noch besser zu machen. Unwohl fühle ich mich immer dann, wenn ich weniger Zeit in meinem Kopf verbringe, als ich eigentlich möchte. Unwohl fühle ich mich in Gesellschaft anderer, die mich daran hindern, Zeit in meinem Kopf zu verbringen. Unwohl fühle ich mich, wenn die Gesellschaft an sich von mir Dinge verlangt, die nicht in meinem Kopf statt finden. Unwohl fühle ich mich immer dann, wenn ich nicht sein darf, wo ich sein will. In meinem Kopf. Da lebe ich nun mal.

Sich an sein Umfeld anpassen vs. Sich sein Umfeld anpassen

Nur zwei Buchstaben Unterschied, doch die Bedeutung dahinter ist so unterschiedlich. Ersteres verlangt von mir, meinen Kopf zu verlassen, so oft es geht. Das zweitere, meinen Kopf zu verlassen, so selten es geht. Das Unwohlsein zeigt mir: Ich verlasse meinen Kopf. Interrupted. Einfach so. Weil ich rauchen will, weil die Verdauung zu anstrengend ist. Der unterlassene Sport erschwert mir den Übergang vom einen zum anderen, was hin und wieder einfach wichtig ist, dieses Umschalten. Das fehlende Schreiben ist Ausdruck meiner Kopflosigkeit. Die Wohnung verhindert das im Kopf bleiben, während ich mich versorge. Das Abspielen meiner Routinen klappt nur, wenn meine Wohnung funktional ist. Möchte ich die Zeit in meinem Kopf weiter erhöhen, mir mehr ermöglichen, als jetzt gerade, dann muss ich weiter an ganz bestimmten Dingen arbeiten und sie weiter optimieren. Mein Umfeld an mich anpassen. Damit ich mich wohl fühle. Wohlfühlen ist das Feedback meines Körpers, dass ich da bin, wo ich hingehöre.

Um endlich zu sagen, was ich sagen wollte, hier ist meine Liste von Dingen, die mir den Flow erleichtern und an denen ich in den nächsten Wochen arbeiten werde. Gerade im Hinblick auf die schon bald eintreffende Phase 3.

Ernährung
Rauchen
Putzen
Lernen
Schreiben
Sport
Wohnung
Geld
Routinen

Auf geht’s!

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