Intention

Warum schreibe ich?

Ich bin eine Getriebene. Ich bin getrieben von meinen Gedanken und ich habe häufig nicht die Macht, meine Aufmerksamkeit auf die Dinge zu wenden, auf die ich sie wenden sollte. Zu schreiben hilft mir, meine Gedanken zu sortieren, aber vor allen Dingen, sie aus meiner Aufmerksamkeit zu entfernen. Was ich niedergeschrieben habe, vergesse ich nicht mehr, weil ich es jederzeit nachlesen kann. Das gibt mir Frieden und Ruhe in meinem Kopf.

Aber es ist nicht nur das. Wenn ich mich an einem Gedanken festbeiße, kann ich ihn häufig einfach nicht greifen. Er existiert nicht als Wort oder Bild in meinem Kopf, sondern als etwas undefinierbares. Etwas, was sich jeglicher Kommunikationsfähigkeit entzieht. Es ist, als waberte ein dichter Nebel drum herum und jeder Versuch diesen zu lichten, scheitert und bewirkt, dass der Nebel nur noch dichter wird. Wenn ich Klarheit schaffen kann und diesen Gedanken in Sprache übersetzen kann, stellt das für mich eine enorme Erleichterung dar. Bis dahin ist es meist eine enorme Anstrengung, die ich zu leisten habe und von der ich mich nur selten abwenden kann.

Selbstverständlich dient dies hier auch als Selbstreflektion. Ich lote meine inneren Haltungen aus und wenn ich sie kenne, denke ich darüber nach, ob diese Haltung eine (für mich) gute oder schlechte ist. Ich bewerte danach, ob mich diese Haltung daran hindert oder darin fördert, mich glücklich zu machen und inneren Frieden zu finden. Stört meine innere Haltung meinen inneren Frieden, so muss sie überdacht und geändert werden. Ich sehe nicht ein, mein Leben von dem Gefühl des Unglücklichseins bestimmen zu lassen.

Dies erzeugt ein Verständnis für mich, meine Funktionsweise und daher auch für mein Umfeld. Es ist die innere Haltung, die alles bestimmt. Nur die innere Haltung bestimmt, ob ich etwas als schlecht oder als gut beurteile. Ob ich Erfolg habe, oder ob ich scheitere. Ich sehe nicht mehr ein, zu scheitern. Es tut mir nicht gut, zu scheitern. Auch das fördert wieder meinen inneren Frieden und dieser wirkt sich auch entscheidend auf mein Umfeld aus.

Um es mit einem Satz zu sagen: Ich kann die anderen nicht ändern, aber ich kann mich selbst ändern. Und das habe ich mir zur Aufgabe gemacht. Um das erreichen zu können, muss ich hart an mir arbeiten. Das ist nie ein leichter Weg, aber einer, der sich absolut lohnt. Damit ich nie wieder in eine solche Depression fallen kann, in die ich im Herbst 2012 fiel.

Warum veröffentliche ich das?

Das ist eine sehr wichtige Frage. Ich könnte genau so gut alles in ein Tagebuch schreiben und es von meiner Umwelt abgeschottet lassen. Aber es gibt einige Gründe, die, für mich, dafür sprachen, es öffentlich zu machen.

Zuerst einmal gebe ich mir deutlich mehr Mühe, wenn ich weiß, dass ich diesen Text veröffentlichen werde. Ich schreibe nicht nur für mich, ich muss es so schreiben, dass auch andere die Möglichkeit haben, ihn zu verstehen. Das zwingt mich dazu, mich stärker zu hinterfragen. Vieles kann ich daher zusätzlich aufdecken, was sonst im Verborgenen bliebe. Es bringt mich also persönlich deutlich weiter, als würde ich meinen Text nicht veröffentlichen.

Ich bin perfektionistisch veranlagt. Und auch wenn ich langsam lerne, so möchte ich stetig besser werden. Meine Texte waren bisher sehr komplex und nicht leicht lesbar. Das ist etwas, woran ich nun arbeite. Ich versuche zu lernen, eine klare Linie in meine Texte zu bringen und diesen Anspruch stelle ich nur an mich, weil ich die Texte veröffentliche. Ich werde aber entscheidend davon profitieren. Nicht nur in der Selbstreflektion, sondern auch, weil mir das Skills verleiht, die ich wiederum vermarkten kann. Ich profitiere also auf vielfältige Weise davon.

Aber ich veröffentliche es auch, weil ich meine Freunde und meine Familie teilhaben lassen möchte, aber so, dass sie selbst entscheiden können, was sie lesen möchten und wann sie es lesen möchten. Sie bekommen so die Gelegenheit, mich besser kennenlernen zu können und an meinem Leben teilhaben zu können. Denn ich bin nicht die, die es mitteilungswert findet, was ich heute gegessen habe oder wen ich beim shoppen zufällig traf und was diese Person mir erzählte. Ich finde diese Kommunikationsart häufig verachtenswert, auch wenn ich die Notwendigkeit für andere Menschen durchaus verstehen kann. Nur bin das nicht ich und ich ertrage diese Art der Berichterstattung nicht. Ich bin das, was ich hier schreibe. Genau so sehen die Gedanken in meinem Kopf aus und nicht anders.

Am Ende habe ich natürlich auch noch eine Hoffnung. Nämlich die Hoffnung, dass meine Gedanken nicht nur mir helfen, sondern vielleicht auch noch anderen helfen, anderen Autisten, um Selbstakzeptanz und inneren Frieden zu finden. Um ihr Umfeld besser einordnen zu können und neurotypische Schrullen leichter verstehen zu können, denn ich beschäftige mich viel mit der Erklärung dieser Phänomene.
Aber ich habe auch die Hoffnung, Angehörige von Autisten zu erreichen. Ihnen zu zeigen, mit welchen Schwierigkeiten der ein oder andere zu kämpfen hat und das nahezu alle Reaktionen vollkommen natürlich sind. Das es nicht darum geht, ein behindertes Leben zu führen, sondern ein glückliches Leben. Welche Potentiale eigentlich in jedem von uns stecken und das Liebe, Verständnis und Vertrauen die Schlüsselbegriffe sind, die in der Kindererziehung, egal ob NT oder Autist oder oder oder, die wichtigste Rolle spielen.
Aber auch, wie viel aus der Erwartung heraus kommt, was Erwartung eigentlich ist und was Enttäuschung ist. Ich lade alle Leser ein, dasselbe aus einer anderen Perspektive heraus wahrzunehmen und sich zu fragen, ob man irgendeine Perspektive wirklich als „richtig“ darstellen könnte, als allgemeingültig oder ob diese Haltung nicht vielleicht doch zu hinterfragen ist.

Worum es mir am Ende geht, dass ist Emanzipation. Ich emanzipiere mich selbst und lasse euch daran teilhaben und hoffe, dass es noch andere dazu inspiriert, sich selbst zu emanzipieren. Und jeder der eigene Ideen hat, darf sie hier gerne kund tun. Denn ich freue mich über jeden Input! Gute (also neue und fremde) Gedanken sind mir einfach mehr wert, als jedes materielle Gut auf diesem Planeten.

Ein Hoch auf die Vielfalt! Auf das sie uns inspirieren möge!

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